|
|
|
|
|
|
| Architektenkammer Baden-Württemberg |
|
| Newsletter 11/26 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Architekturinteressierte,
|
|
|
|
|
Architektur taucht in Filmen meist als Kulisse auf – die Villa mit meterhohen Glasfronten oder der Bungalow am See. Selten ist die Baubranche selbst Gegenstand des Plots. Beim jüngsten „Tatort“ lagen Dichtung und Wahrheit nah beieinander: ein Hochhausbrand mit Todesopfern, bei dem schmelzende Dämmstoffplatten aus geschäumtem Polystyrol – Testat: „schwer entflammbar“ – wie Brandbeschleuniger wirkten. Realistisch nicht nur die Emission giftiger Treibhausgase, sondern auch die versuchte Einflussnahme auf Zertifizierungen, Gutachten und Normen. Was den Krimi aber zu einem Lehrstück machte, brachte der ermittelnde Kripobeamte auf den Punkt: „Damit die Regierung ihre Klimaziele erreichen kann, klatscht sie den Leuten in den Sozialbauten tonnenweise Erdöl an die Wände und verkauft es als klimaneutrale Sanierung.“ Sicher zugespitzt, aber der Satz umreißt die Absurdität von technisch basierten Vorgaben in der Klimaschutzpolitik, wenn Materialeinsatz, Förderung und Ziele nicht zusammen gedacht werden. Politisch handlungsleitend waren solche ursächlichen Zusammenhänge bislang viel zu wenig.
Der nächste Newsletter erscheint am 9. April – ein schönes Osterfest wünscht Ihr AKBW-Team
|
|
|
|
|
|
Die Shortlist des Holzbaupreises Baden-Württemberg 2026 steht: Aus 78 Einreichungen wählte die Jury unter Vorsitz von Markus Lager, Architekt und Professor für interdisziplinären Holzbau an der Fachhochschule Erfurt, vor wenigen Tagen 18 Projekte aus. Sie alle haben die Auslobungskriterien bestens erfüllt und sich in herausragender Weise konzeptuell, innovativ und zukunftsweisend mit Holz als dem nachhaltigen Baustoff unserer Zeit auseinandergesetzt. Die insgesamt 11 Preise und Auszeichnungen werden am 6. Mai im Rahmen des Fachkongresses > „Drei Länder, eine Mission: Holzbau – wirtschaftsstark und regional!“ im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen vergeben.
|
|
|
|
|
|
Appell an öffentliche Bauherren |
|
|
|
|
„Am Ende bleibt nicht das Vergabeverfahren im Stadtbild sichtbar – sondern das Gebaute“, so Tom Treitz, AKBW-Referent für Vergabe und Wettbewerb, im Staatsanzeiger BW am 20. März. Er moniert, dass sich die Entscheidungskriterien öffentlicher Bauherren in den vergangenen Jahren zunehmend an rechtlicher Absicherung und formaler Vergleichbarkeit orientierten und dabei die eigentlich relevanten Fragen aus dem Blick gerieten: „Wer hat die wirtschaftlichste, nachhaltigste und beste Idee für diese konkrete Aufgabe und diesen Ort?“ Kompetent durchgeführt, seien Wettbewerbe weder bürokratisch noch schwerfällig, ein kompakter RPW-Wettbewerb ließe sich innerhalb weniger Monate abschließen, hält Treitz fest. Klarer Mehrwert: der direkte Vergleich konkreter Entwurfsideen und am Ende das beste Konzept mit dem geeigneten Planungsteam.
|
|
|
|
|
|
Neue Praxis, neue Perspektiven |
|
|
|
|
Wie verändert sich das Berufsbild in der Architektur? Zum Auftakt der Architekturgespräche 2026 mit rund 270 Teilnehmer:innen im Haus der Architekt:innen und im Livestream zeigten Gesche Bengtsson (etal.) und Björn Rimner (EM2N), dass trotz der unterschiedlichen Größen ihrer Büros – hier das junge Büro mit 3 Gründerinnen, dort die renommierte Zürcher AG mit 70 Mitarbeitenden – ein gemeinsames Verständnis von Architektur als offener, anschlussfähiger Prozess besteht. Bengtsson betonte die Bedeutung robuster Strukturen, die Umbauten ermöglichen und langfristig nutzbar bleiben. Rimner zeigte anhand des Toni-Areals, wie Transformation städtisches Miteinander neu formt. Beide machten klar: Re-Use hat zukünftig eine zentrale Bedeutung – aber verlangt Mut von allen Beteiligten. Auf dem Podium beim nächsten Architekturgespräch am 21. Mai: Katharina Neubauer (TOMAS – Transformation of Material and Space), Aimée Michelfelder (AFEA Association For Ecological Architecture) und Jurek Brüggen (undjurekbrüggen).
|
|
|
|
|
| Kammergruppen und -bezirke aktiv |
|
|
|
Wohnen als soziale Verantwortung |
|
|
|
|
Die Kammergruppe Mannheim ist am 9. April, 17-19 Uhr, im Rahmen ihres Themenjahrs Wohnen „vor Ort“ im Gewerbegebiet Käfertal, wo andOFFICE gemeinsam mit der WoodRocks Bau GmbH ein „Wohnquartier für vulnerable Gruppen“ (Bild) errichten. Vorgefertigte Bauteile kommen dabei ebenso zum Einsatz wie eine digitale, KI-gestützte Prozesssteuerung. Das neue Quartier setzt so Maßstäbe in puncto Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung. Letztere bewies auch die französische Spiegelglasmanufaktur Saint-Gobain, die 1853 ihren Arbeiterfamilien eine autarke Siedlung aus 19 Laubengang-Wohnblöcken mit insgesamt 366 Wohnungen am Alt-Rheinbogen errichtete. Bei einem Rundgang durch den einzig noch erhaltenen Block widmet sich die Veranstaltung „Die Spiegelkolonie – Die älteste Mannheimer Arbeitersiedlung“ am 16. April, 17-19 Uhr, der Siedlungsarchitektur sowie der Geschichte, wie aus einer französischen Parallelgesellschaft ein Mannheimer Stadtteil wurde.
|
|
|
|
|
|
Gemeinsam stark: Verwaltung, Planung, Wissenschaft |
|
|
|
|
Mit welchen Strategien lassen sich bestehende Wohnflächen effizienter nutzen? Gemeinsam mit der Stadt Kirchheim/Teck hat die Kammergruppe Esslingen II die Startveranstaltung zu ihrem Jahresprogramm „Wohnen im Wandel“ durchgeführt. Dabei beleuchteten Sanierungsmanagerin Jessica Hörmann, Stadtforscherin Verena Loidl sowie der Stadtplaner Gernot Pohl bedarfsangepasste, gesellschaftliche und stadtplanerische Aspekte bei der Weiterentwicklung des Bestands. Es zeigte sich: Wenn Verwaltung, Planung und Wissenschaft eng zusammenarbeiten, finden sich gute Wege, bestehende Wohnstrukturen zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
|
|
|
|
|
|
„You can’t beat physics ...“ |
|
|
|
|
Mit der Veranstaltungsreihe „Urban Green“ widmen sich die FÜNF Stuttgarter Kammergruppen – gemeinsam mit Partnern – der Zukunft des urbanen Raums. Beim ersten Termin standen insbesondere die Wechselwirkungen von Klimaschutz und Klimaanpassung im Mittelpunkt. Anhand von Beispielen aus der Stadt Heilbronn – vom blaugrünen Neckarband über das Modellquartier Neckarbogen bis zu Sommerzonen und Kühlstrategien – zeigte Oliver Toellner, Leiter Grünflächenamt Heilbronn, warum die Stadt als „European Green Capital“ Maßstäbe setzt. Wie sich Stadtklima, Wärmeinseleffekte und thermischer Komfort systematisch in Planungsprozesse integrieren lassen, erläuterte Claudia Lüling, IABP, Universität Stuttgart. Ihr Fazit: „You can’t beat physics – aber wir können mit ihr arbeiten.“
|
|
|
|
|
|
Von der Hochschule in die Hochschule |
|
|
|
|
Bei einer Willkommensveranstaltung in der Dualen Hochschule BW in Weil am Rhein hat der Kammerbezirk Freiburg seine neuen Mitglieder begrüßt. Sowohl Christoph Geisel, Vorsitzender der gastgebenden Kammergruppe Lörrach, als auch sein Stellvertreter Prof. Frank Hovenbitzer sind im dort angesiedelten bundesweit ersten > dualen Studiengang Architektur als Laborleiter bzw. Studiengangsleiter engagiert. Nach einer Führung durch die Hochschulräumlichkeiten (Foto: Vitra Siza-Halle) erklärten Mirjam Schnapper, Vertreterin der Junior-Archiekt:innen und -Stadtplaner:innen (JunAS) im AKBW-Landesvorstand, und Yannik Klauß, Vorsitzender des JunAS-Netzwerks, Struktur und Aufgaben der Kammer, die Vorteile einer Mitgliedschaft und den Weg von der Antragstellung bis zur Volleintragung. Infos zur Altersversorgung steuerte das Versorgungswerk bei. Auch AKBW-Hauptgeschäftsführer Hans Dieterle stand als Gesprächspartner für die zahlreichen Fragen rund um die Kammer bereit.
|
|
|
|
|
| „So individuell wie jeder Mensch, so individuell ist auch der Charakter eines Büros.“ |
|
|
|
| Katja Domschky, frisch gewählte Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW)
|
|
|
|
|
|
Gesucht: Vorbilder für Nachhaltigkeit |
|
|
|
|
Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis Architektur 2026 ist ausgelobt. Gesucht sind Projekte, „die Nachhaltigkeit überzeugend in Architektur umsetzen – nicht als Zusatz, sondern als selbstverständlichen Bestandteil guter Planung und Gestaltung“, so Prof. Amandus Samsøe Sattler, Juryvorsitzender und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB). Bis zum 5. Juni können Neubauten, Bestandsbauten oder umfassende Umbaumaßnahmen eingereicht werden, die nicht älter als fünf Jahre sind und eine personenbezogene Nutzung aufweisen (täglicher Publikumsverkehr oder ständige Arbeitsplätze bzw. mindestens eine Wohnung). Reine Innenausbaumaßnahmen sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Auslober des Preises sind die DGNB und die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis.
|
|
|
|
|
| AKBW-Tipp Sanierungsprogramm |
|
|
|
Mit 250 Millionen Euro für Schwimmbäder ist eine neue Förderung im Rahmen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Sportstätten“ ausgestattet. Schwerpunkt ist die energetische Ertüchtigung. Bedarf ist da: Baden-Württemberg hat 1.135 kommunale Hallen-, Frei- und Naturbäder und damit die bundesweit zweithöchste Bäderdichte. Etwa die Hälfte der Träger sieht „gravierenden“ oder „nennenswerten“ Investitionsrückstand. Wie Werterhalt einer solch wichtigen Infrastruktureinrichtung aus den 1970er Jahren geht, zeigt z. B. die von Lehmann Architekten mit w+p Landschaften geplante und als > beispielhaft prämierte Sanierung des „Kinzigtalbads Ortenau“ in Hausach (Foto).
|
|
|
|
|
|
Im offenen Forum und am langen Tisch |
|
|
|
|
Zum Offenen Forum Baukultur lädt die Bundesstiftung Baukultur am 24. April ab 17:30 Uhr ins Haus der Architektinnen und Architekten, Stuttgart, ein. Im Mittelpunkt stehen der Nachwuchs und dessen Förderung. Auf eine Einführung aus wissenschaftlicher Sicht folgen Kurzvorträge über den Nachwuchs bei der AKBW, über Baukultur-Talente, das Wettbewerbsprojekt „10 m² Baukultur“ sowie über das Tool „Super Places“. Auch der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur, Reiner Nagel, spricht zum Thema. Den Abschluss macht eine „Lange Tafel der Baukultur“. Dieses Format soll zusätzlich am 19. Juni an einem bundesweiten Aktionstag an vielen Orten stattfinden, Interessierte können sich mit einer eigenen Idee anmelden.
|
|
|
|
|
|
Katja Domschky (Foto) ist die erste Präsidentin der mit rund 33.000 Mitgliedern größten Länderkammer Nordrhein-Westfalen. Die diplomierte Architektin und bisherige AKNW-Vizepräsidentin löst Ernst Uhing (Foto) nach gut zwölf Jahren in diesem Amt ab. Der 55-Jährigen mit Agentur („ACUBE für Kommunikation, Marketing, Strategie“) in Düsseldorf steht mit Gesche Arns-Büsker (Aachen), Dagmar Grote (Ahaus) und Friederike Proff (Düsseldorf) ein ebenfalls weiblich besetztes Präsidium zur Seite. Außerdem engagiert sich Katja Domschky seit vielen Jahren in der Architektinnen Initiative NW (AI NW) für die Interessen ihrer Berufskolleg:innen. Die Schwesterkammer AKBW gratuliert der neuen Präsidentin und ihrem Führungsteam sehr herzlich!
|
|
|
|
|
|
|
Vom Schwarzen Meer bis nach Rom |
| Ausgezeichnet mit dem diesjährigen Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse, kommt in > Katerina Poladjans „Goldstrand“ auch der Architektur eine tragende Rolle zu. Ein Junge flieht mit Vater und Schwester aus dem von der russischen Revolution erschütterten Odessa und landet in Bulgarien in einer Hütte am Schwarzen Meer. |
|
|
|
|
|
|
|
Ein Ort, der seine planerischen Ambitionen weckt, die in späteren Jahren an eben diesem Strand einen Hotelkomplex für den Neuen Menschen des Sozialismus entstehen lassen. Als Mitglied des neu gegründeten staatlichen Architektur- und Stadtplanungsinstituts Sofia schreibt er: „Unsere Welt braucht keine Umwege mehr, keine Verführung. In den klaren Linien liegt die Zukunft, in der Entblößung.“ Ebenfalls am titelgebenden Goldstrand zeugt der Architekt auch seinen Sohn Eli. Wohnhaft in einer verfallenden Villa in Rom reflektiert dieser 60-jährig sein eigenes Leben und dasjenige seiner Vorfahren auf der Therapie-Couch: Der Roman wird zum Spiegel eines ganzen Jahrhunderts, durchwoben von Mythen und Märchen, Filmen und Bauten.
|
|
|
|
|
Bilder von oben: Axel Killian; Achim Birnbaum | Elias Hassos | ICD | Isabel Meyer | David Matthiessen Fotografie | Martin Maier | Peter Ziegner | Fast + Epp GmbH | Kim Fohmann | Roland Halbe | Werner Hutmacher | Norbert Miguletz | Brigida González | Roland Halbe | Brigida González | Achim Birnbaum | Sebastian Schels | Jan Bitter; AKBW; AKBW; andOffice; AKBW; AKBW; AKBW; Olaf Herzog; Ingo Lammert / AKNW; S. FISCHER Verlag GmbH |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| Architektenkammer Baden-Württemberg |
| Danneckerstraße 54, 70182 Stuttgart |
| Telefon: 0711-2196-0, |
Telefax: 0711-2196-101 |
|
|
|
|
|
|
|
|